What's your 

Die Plattform

Geschichten von Flucht und Integration sind vielfältig, individuell – und sie sind es alle wert, erzählt zu werden.

Mit dieser Plattform schaffen wir ein grundlegendes Verständnis für Menschen mit Fluchtgeschichte und ihre Lebenssituation in Deutschland. Dafür treffen wir Personen mit Fluchtgeschichte, die in Niedersachsen ihr Zuhause gefunden haben, und tauschen uns mit ihnen über ihre Erfahrungen aus. Diese Geschichten und Perspektiven erscheinen dann hier auf der Website – in Form von Texten, Videos und Podcasts. Auch auf Instagram gibt es die Portraits auf den Seiten von Exil und dem Flüchtlingsrat zu entdecken.

Menschen im Exil sind wichtige Mitglieder unserer Gesellschaft, die trotz der widrigen Umstände ihrer Flucht und der vielen Hürden beim Ankommen in Deutschland den Mut nicht verloren haben und unser aller Achtung und Wertschätzung verdient haben. Hier werden Geschichten des „erfolgreichen“ Ankommens in Deutschland erzählt – wobei klar ist, dass „Erfolg“ für uns alle etwas anderes bedeuten kann. Wir möchten diesen Begriff deshalb durch eine eigene Definition nicht einschränken und laden ganz herzlich alle Menschen ein, sich bei uns zu melden und Ihre persönliche Geschichte mit uns zu teilen.

Auch Beratungsstellen, Initiativen und ehrenamtliche Unterstützer:innen sind eingeladen, über ihre Erfahrungen zu berichten und uns ihre Arbeit näher zu bringen.

Hier könnt ihr Geschichten lesen von:

  • persönlichem Erfolg (kulturell, sozial, politisch, etc.)
  • zivilgesellschaftlichem Kampf um die eigenen Rechte oder Rechte anderer Geflüchteter
  • erfolgreicher Begleitung vulnerabler Gruppen (z.B. LSBTIQ*-Geflüchtete, Frauenzentren, junge Geflüchtete, ggf. un-/begleitete Minderjährige)
  • erfolgreicher Teilhabe- und Empowerment-Angebote
  • erfolgreichen ehrenamtlichen Angeboten

Das Projekt ist im Rahmen des Netzwerkprojektes AMBA+ in Zusammenarbeit mit Exil e.V. entstanden. Mehr Infos gibt es bei den Projektpartnern:

     

Alle Geschichten hinter dem Projekt

Politischer Aktivismus für Veränderungen in Deutschland und im Sudan

Das Demonstrationsrecht – für Viele hier eine Selbstverständlichkeit, aber in großen Teilen der Welt müssen die Menschen mit Repressionen rechnen, wenn sie für ihre Überzeugungen auf die Straße gehen. So auch im Sudan: Unter der Herrschaft des langjährigen Diktators al-Baschir gab es keine Meinungs- oder Pressefreiheit und die Bevölkerung wurde unterdrückt. Dazu gab es gab zahlreiche Berichte von Menschenrechtsverletzungen, nicht nur im Kriegsgebiet Dafur.

Musa kann davon berichten: Er stammt aus dem Sudan und war vor seiner Flucht dort sogar politisch aktiv: „Schon in der Schule habe mich für die Meinungsfreiheit eingesetzt“ berichtet er. Das war keine Selbstverständlichkeit, denn neben dem blutigen Konflikt im Land müssen die Bürger*innen die Willkür des Staates oder die Todesstrafe fürchten. Dazu kommen Armut und wenig Hoffnung auf ein Ende des Konflikts.

Diese Umstände bewegten Musa im Jahr 2012 zur Entscheidung, nach Libyen zu fliehen. In Libyen war Musa dann zwei Jahre, lebte und arbeitete in Tripolis. Doch auch dort verschärften sich Unruhen und blutige Konflikte, sodass er weiter nach Europa fliehen musste. Nachdem langer und beschwerlicher Flucht über Italien gelang es ihm, nach Deutschland einzureisen. Kaum angekommen, wurde er direkt aktiv: Er fand einen Job in einem Paketlager und besuchte nach der Arbeit einen Deutschkurs.

Sogar sein politisches Engagement setzte er fort und vernetzte sich mit der sudanesischen Community in Deutschland. Ihre Mitglieder machen auf Demonstrationen, etwa vor der sudanesischen Botschaft in Berlin oder durch Briefe an Politiker*innen auf die schreckliche Lage in ihrer Heimat aufmerksam, haben aber auch konkrete Forderungen […]

Vom Glück, eine neue Familie zu finden

Mutig und durchsetzungsstark – das sind Eigenschaften, die auf Shabnam zutreffen. Die gebürtige Iranerin hat bereits eine bewegende Geschichte hinter sich, doch man merkt ihr an: In ihrer neuen Heimat Osnabrück ist sie nach einem holprigen Weg angekommen, hier fühlt sie sich wohl. Seit 2016 lebt sie mit ihrem Mann und ihrer Tochter in der Stadt und hat in einer evangelischen Paulusgemeinde eine Familie gefunden.

Doch diese positive Beziehung zur Religion hatte sie nicht immer: Im Iran setzt die Sittenpolizei strenge islamistische Regeln durch, die die Bevölkerung unfrei und in Angst leben lassen. Frauen müssen lange Mäntel tragen und ihre Haare verhüllen, Alkohol und Partys sind genauso verboten wie Treffen mit Personen des anderen Geschlechts außerhalb der eigenen Familie. „Trotz allem hatten wir zunächst ein gutes Leben“ sagt Shabnam im Rückblick.

Doch Shabnams Mann, ein Geschäftsmann, handelt auf dem Basar und in seinen Geschäften auch mit jüdischen Kunden und solchen, die der Bahá’i-Religion zugehörig sind. Das passt der Moralpolizei nicht: Mehrfach wird sein Geschäft stillgelegt und er muss Strafen zahlen. Auch dass er kürzere Mäntel entwirft und bunte Stoffe verwendet, wird von den Sittenwächtern bestraft – entsprechen sie doch nicht der strengen Kleiderordnung der Islamisten. Shabnam wird mehrfach verhaftet, weil sie ihr Kopftuch nicht richtig getragen hat und entkommt nur gegen die Zahlung von hohen Kautionen den angedrohten Peitschenhieben. Die Lage wird zunehmend gefährlicher für die gesamte Familie […]

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