Über den Libanon nach Deutschland

Ali erzählt aus seiner ganz persönlichen Sicht: 

Die Syrische Revolution begann im Jahr 2011. Damals war ich elf Jahre alt, als meine Familie und ich gezwungen wurden, nach Libanon zu fliehen. Mit der Flucht begann auch meine Reise der Sehnsucht – nach meiner Heimat, nach meiner Kindheit und nach den Freunden, die ich zurücklassen musste und mit der Zeit kaum wiedererkennen konnte.

Trotz der schwierigen Umstände unterstützte mich meine Familie in allem, um mir eine gute Zukunft zu ermöglichen. Bereits mit 13 Jahren begann ich zu arbeiten, um mich und später mein Studium selbst finanzieren zu können. Acht Jahre lang hielt ich an diesem Ziel fest, bis ich schließlich meinen Abschluss in Elektronik an der Fakultät für Naturwissenschaften der Libanesischen Universität machte.

Während meines Studiums sammelte ich sowohl theoretische als auch praktische Erfahrungen und arbeitete an verschiedenen Projekten in meinem Fachbereich. Die Wissenschaft hat mir gezeigt, dass es immer Lösungen gibt – ganz gleich, wie komplex oder aussichtslos ein Problem erscheinen mag.

Nach meinem Abschluss musste ich leider feststellen, dass meine Leistungen im Libanon nicht anerkannt wurden – warum, ist mir bis heute unklar. Diese Enttäuschung hat mich dazu gebracht, nach Deutschland zu kommen. Hier habe ich zum ersten Mal erlebt, was es heißt, für meine Arbeit respektiert und geschätzt zu werden. Das hat mir die Möglichkeit gegeben, ein neues Leben aufzubauen. Dieses Leben ist für mich auch eine Chance, meiner Familie etwas zurückzugeben – sie hat immer an mich geglaubt und mich in meinem Bildungsweg unterstützt. Wissen ist für mich die Grundlage für ein erfülltes Leben.

Ich lerne auch heute noch täglich Neues. Die Wissenschaft hat mir nicht nur geholfen, meine Krisen zu bewältigen, sondern auch den Blick auf eine Zukunft gerichtet, die immer näher rückt – und die ich mit Hoffnung und Entschlossenheit erwarte.

Foto: Ma’an Moussli/Nun Kreativa

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